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Press Release

17. January 2019

Minister für Landwirtschaft und Forsten Jari Leppä, Finnland, Rede zur Eröffnung der Grünen Woche am 17.1.2019, Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste aus aller Welt!

Viele Grüße aus der Wildnis!

Ich bringe Ihnen Grüße aus dem nördlichsten Landwirtschaftsland der Welt, aus Finnland – aus einer Welt inmitten von Schnee und Eis. Als ich gestern meinen Hof in der Gegend von Pertunmaa verließ, zeigte das Thermometer rund zehn Grad minus, und wir fuhren hinter dem Schneepflug zur Landstraße. Im Januar ist das für uns Alltag, und auch die finnische Lebensmittelproduktion hat sich daran angepasst.

Finnland ist dank des Golfstroms ein einzigartiges arktisches Land. Finnland ist das nördlichste Land der Welt, in dem Landwirtschaft als Erwerbszweig betrieben wird. Die Milch- und Rindfleischproduktion ist unser Hauptproduktionszweig, und mehr als 10 Prozent unserer Felder werden schon für die ökologische Erzeugung genutzt. Andererseits sind 72% unserer Landfläche von Wäldern bedeckt. Finnland wird auch als Land des grünen Goldes bezeichnet, und wir sind für unsere nachhaltige, verantwortungsvolle Forstwirtschaft bekannt.

Die Wälder versorgen uns auch mit wunderbaren Beeren und Pilzen und zum Beispiel mit Birkenwasser, die die kleinen und großen Lebensmittelunternehmen unseres Landes zu erstklassigen Produkten veredeln. Die Land- und Forstwirtschaft und die damit verbundenen Erwerbszweige sind uns wichtig.

Neben der Land- und Forstwirtschaft sind auch die anderen mit unserer arktischen Lage verbundenen Er-werbszweige, wie Tourismus, Rentierhaltung und Fischerei von Bedeutung - auch in kultureller Hinsicht. Die Bewegung in der freien Natur, das Beerensammeln und die Jagd zählen zu den Lieblingsbeschäftigungen vieler Finnen, so auch bei mir und meiner Familie. Bei uns gelten die einzigartigen Jedermannsrechte, die es allen ermöglichen, die Natur zu genießen.

Finnland bietet hervorragende Voraussetzungen für eine nachhaltige und verantwortungsvolle Lebensmit-telerzeugung: aufgrund der arktischen Lage verfügen wir über saubere Böden, saubere Luft und hochwertige Wasserressourcen, sowohl in Form unserer umfangreichen Grundwassergebiete als auch unserer Seen – und von diesen Seen haben wir sage und schreibe fast 200 000! Die strengen Winter verringern bei uns das Risiko von Pflanzenkrankheiten. Auf globaler Ebene sollte auch berücksichtigt werden, dass wir über gut funktionierende gesellschaftliche Strukturen zur nachhaltigen Nutzung unserer Naturressourcen verfügen.

Die Vegetationsperiode unseres Landes ist aufgrund unserer nördlichen Lage kurz, dafür aber um so intensiver. Die Mitternachtssonne schafft die Voraussetzungen für ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Nährwertgehalt in unseren Produkten. So kommen zum Beispiel dem Hafer, unserem wichtigen gesundheitsfördernden Exportprodukt, unsere besonderen Wachstumsbedingungen zugute.

Die finnischen landwirtschaftlichen Betriebe sind Familienbetriebe, so wie auch mein Hof. Wir kennen jede unserer Kühe mit Namen, und innerhalb einer Woche steht der Name eines neugeborenen Kalbes im EU- 2 (3) Register. Darauf ist auch die Rückverfolgbarkeit der finnischen Erzeugnisse zurückzuführen. Das Wohlbefinden der Tiere ist bei uns Ehrensache: daher haben unsere Schweine auch Ringelschwänze und unsere Hühnchen Schnäbel.

Unsere gesamte Lebensmittelkette hat sich verpflichtet, die sehr hohen Hygienestandards und verantwor-tungsvollen Erzeugungsmethoden einzuhalten, die auch effektiv überwacht werden. Dieses Ziel wird von einer Forschung auf höchstem Niveau und der neuesten Technologie unterstützt. In Finnland werden Antibiotika nur zur Behandlung von Krankheiten verwendet, nicht zu deren Vorbeugung, und wir verwenden bei der Erzeugung auch keine Hormone. Stolz sind wir auch auf die Salmonellenfreiheit unserer Produkte.

Unser kleines Volk von fünfeinhalb Millionen Menschen ist gut ausgebildet, und bei Innovationen gehören wir zur Weltspitze; hier erwähnt seien zum Beispiel „free-from-“ oder gesundheitsfördernde Lebensmittel.

So entstehen dann die finnischen Rohstoffe und Erzeugnisse, die allerhöchste Qualitätsstandards erfüllen, sowohl was die Sicherheit, als auch was den Geschmack und den Nährwert angeht. Mit anderen Worten bieten wir Produkte an, die ihre Geschichte voller Stolz erzählen und auf deren Ge-schichte man sich verlassen kann. Herzlich willkommen an unserem Stand in Halle 10.2., an dem Sie die Produkte näher kennenlernen können! Liebe Zuhörer, Damit wir die wachsende Weltbevölkerung ernähren können, muss die Lebensmittelerzeugung bis 2050 um 60% ansteigen. Produktion und Produktivität müssen gesteigert werden, damit das Essen für eine wachsende und reicher werdende Bevölkerung reicht. Die Produktion muss jedoch auf eine Weise gesteigert werden, die auch zukünftigen Generationen noch ein gutes Leben ermöglicht. Die von den Vereinten Nationen vorgegebenen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bilden eine umfassende Richtschnur für eine nachhaltigere Wirtschaft. Eine besondere Herausforderung stellt der Klimawandel dar; seine Eindämmung und die Anpassung daran. Das Lebensmittelsystem der Zukunft muss in der Lage sein, sichere, nahrhafte und geschmackvolle Lebensmittel auf eine Weise zu erzeugen, die nachhaltig und verantwortungsvoll ist und bei der die gute Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutztiere erhalten bleiben. Der Technologie und der Digitalisierung zur Schaffung eines solchen Systems kommen heutzutage eine Schlüsselstellung zu. Diese Themen werden wir auch am Samstag im Global Forum behandeln.

Liebe Zuhörer, Auf der Grünen Woche kommen traditionell die Landwirtschaftsminister aus aller Welt zusammen, um über aktuelle, die Landwirtschaft betreffende Themen und vor allem auch über Angelegenheiten zu sprechen, die sich bis weit in die Zukunft auswirken. Als Minister eines Partnerlandes freue ich mich, meinen Kollegen Erlebnisse und Wissen über Finnland sowohl ganz offiziell als auch in einem weniger formellen Rahmen präsentieren zu dürfen. Die Partnerschaft der Grünen Woche rückt das Finnlandbild auf dem für uns so wichtigen europäischen Markt direkt vor Beginn unseres EU-Ratsvorsitzes in den Mittelpunkt. Der finnische EU-Ratsvorsitz fällt in ei-nen wichtigen Zeitraum, die zweite Hälfte von 2019. Dabei sollte es unter anderem zu einer Entscheidung bezüglich der mehrjährigen Finanzierungsrahmen der EU kommen. Aus finnischer und aus EU-Sicht ist das Gelingen der GAP-Reform von größter Bedeutung, damit eine gemeinsame, langfristige Landwirtschaftspoli-tik erhalten bleibt, sich aber auch weiterentwickelt. Wir möchten unseren Landwirten möglichst bald Sicherheit über den Inhalt der zukünftigen Politik und die Finanzierung bieten. Den Kern der GAP-Reform würde ich so zusammenfassen, dass die Politik deutlich vereinfacht werden muss und man den Landwirten einen Anreiz bieten muss, Lebensmittel für uns alle auf für die Umwelt nachhaltige Weise und auf eine Weise zu erzeugen, die das Wohlbefinden der Tiere sichert. Zum Schluss noch ein Wort des Dankes. Es ist beachtenswert, dass der finnische Zentralverband der landwirtschaftlichen Erzeuger und Waldbesitzer MTK den mutigen Schritt gewagt hat, den Status als Partnerland zu beantragen. Dies ist das erste Mal, dass der offizielle Partner kein Staat ist.

Unsere Erzeugerverbände spielen eine wichtige Rolle dabei, finnisches Knowhow und finnische saubere Lebensmittel ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Arbeit weit in die Zukunft weisen wird!

Unser besonderer Dank geht an unseren Erzeugerverband für die Partnerschaftsvorbereitungen! Ich möchte auch dem deutschen Landwirtschaftsministerium und Frau Ministerin Klöckner, der Messe Berlin, unserer Botschaft und den übrigen Partnern meinen wärmsten Dank für die ausgezeichnete Organisation dieser Messe und die Möglichkeit aussprechen, als Partnerland zu fungieren. Die Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland sind ausgezeichnet, wofür wohl auch der Besuch von Bundespräsident Steinmeier in Finnland im letzten Jahr ein Zeichen ist. Politisch gesehen sind wir uns häufig einig: wir verteidigen eine starke, einige Europäische Union und ein internationales regelbasiertes System. Auch der Handel zwischen unseren Ländern läuft gut: Jahr für Jahr ist Deutschland der wichtigste Handels-partner Finnlands. Mit diesen Worten eröffne ich von meiner Seite die Grüne Woche und wünsche allen eine lohnende Messe: Networking, Erfahrungsaustausch und eine neuartige Partnerschaft!